Radikalfeminismus

Back into the 80s: Von Problem-Butches und Grenzverläufen in „FrauenLesbenräumen“

Vorweg: So ärgerlich ich den Beitrag von Andrea Roedig finde, so positiv überrascht war ich von den vielen und guten Diskussionen, und dass „Butch“ plötzlich Thema wurde. Danke an die Autor_innen der anregenden und sehr differenzierten Blogbeiträge, in „Teile des Ganzen“ (siehe auch weiter unten im ButchBlog) oder in „Hirngefickt“, aber auch an die Diskussionsbeteiligten – wie evanjulian – und Beiträge auf facebook, die viel Argumentationsarbeit geleistet haben. Arbeitsteilig habe ich mich bei meiner Replik – Vorsicht! Bissig! – auf Aspekte historischer Willkommens- und Ausladungskultur in „FrauenLesbenräumen“ qua Identitätspolitiken und auf „Butch/Femme“ und einiges mehr konzentrieren können.

„Frauen mit weiblichem Pronomen“ only?

„Neulich erhielt ich die Einladung zu einer Frauenparty, die sich ausschließlich an „lesbische und bisexuelle Frauen (einschließlich Transfrauen)“ richtete; an Menschen also – so lautete der Zusatz –, „die sich grundsätzlich mit dem Pronomen ’sie‘ richtig beschrieben fühlen“. Das war, auch wenn es erst einmal harmlos klingt, ein kleines Politikum. Denn die sozialen und biologischen Geschlechtszuweisungen sind unübersichtlich geworden, die Zeichen der Zeit stehen auf diversity und Inklusion. „Wenn du … dich als ‚genderfluid‘ siehst, ist diese Party nicht für dich. Sie ist ebenfalls nicht für Transmänner, Transvestiten, Crossdresser und Männer“, hieß es weiter im Einladungstext. Das klingt nicht gerade nach gender bender. Die Veranstalterinnen wollten offenbar ein etwas aus der Mode gekommenes Modell exklusiver „Frauenräume“ wiederbeleben.“

Ja, ich stimme Andrea Roedig in ihrem ZEIT-Beitrag „Der Trend zu Trans“ zu, diese Formulierung der Einladungspolitik ist ein kleines Politikum – und Roedigs Beitrag und dessen Tenor ebenfalls. Zu letzterem komme ich später.

Ich wundere mich verstärkt, dass diese neue Ein- oder besser Ausladungspolitik auf „Frauenparties“, „Playparties“, kinky „FrauenLesben-„Stammtischen, dem „Lesbenfrühlingstreffen“ einen völlig unscharfen „Frau“-Begriff ins Feld führt, gleichzeitig aber mit Schärfe meint, „Genderfluides“, Trans*Maskulinitäten und „Männer“ klar umreißen zu können.

Mit bestechender Schlichtheit und zugleich sehr tricky im Definitions- und Identifikations-Wirrwarr: „Frauen“ sind also diejenigen, die sich mit einem weiblichen Pronomen „richtig“ beschrieben fühlen. Was aber genau wird hier mit „Frau“ angesprochen bzw. angerufen, so dass das Gefühl, das innere Konzept sagt: „Ja, richtig!“? „Frau“ als soziale, politische oder körperliche oder emotionale Erfahrung? Wie essentialistisch darf ich oder muss ich dieses angerufene Konzept „Frau mit weiblichem Pronomen“ verstehen?

Mein Coming-Out hatte ich 1989, wohlgemerkt als radikalfeministische Lesbe. Vielleicht ist es kein Wunder, dass bei mir sowohl bei den Einladungspolitiken, die auch mir in letzter Zeit gehäuft begegnet sind, als auch bei Roedings Artikel der Alarm „Differenzfeminismus!“ aufblinkt. Ich kenne den „Laden“ sozusagen von innen. Ist das jetzt ein „Back into the 80s!“, frage ich mich. Zeigt sich so eine Reaktion des gewachsenen Unbehagens auf zu viel queere Vielfalt, zu viel Gender-Differenz, vor allem auf zu viel trans*maskuline Differenz? Folgt ein neuer – ja, was denn nun? – weiblicher oder femininer Differenzfeminismus? Und dürfen cisgeschlechtliche Heteras überhaupt mitreden – oder sind die auch ausgeladen?

Lesben sind keine Frauen – oder doch?!

Manche feministischen *Mädchenprojekte gehen jedenfalls mit schöneren und klügeren Einladungspolitiken voran, z.B. „Für *Mädchen, die *Mädchen sein wollen und sollen“ . Dagegen mutet das Reclaiming von „Frauenraum inkl. weiblichem Pronomen“ – oder doch eher „Lesbenraum“? – in dieser holprigen Weise so seltsam altbacken an. Kommt bald der Ruf nach einer „Lesbian Nation“? Angesichts grassierender Nostalgie und Angst vor Diversität vielleicht nicht so weit entfernt. Bereits in den 1970er Jahren war Jill Johnstons Lesbian-Nation-Programmatik und die des lesbischen, territorienabsteckenden Separatismus  sehr umstritten, auch Diskurse um Frau als Identitätskategorie und vor allem als homogene Gruppe. Monique Wittig beispielsweise stellte bereits in den 1970er Jahren fest, dass „Lesbe“ nicht „Frau“ ist. Sie, die „Lesbe“ läge zu quer zur Butler’schen heteronoramtiven Matrix. Hoppla! Monique Wittig ist folglich nicht auf der „Frauen mit weiblichem Pronomen“-Party willkommen. Naja, und Judith Butler sowie so nicht. Hat maßgeblich zum gegenwärtigen Schlamassel, dem Genderdiversitäts- und Trans*gender-„Trend“ beigetragen, und sich gegen „Identitätspolitiken“ von „Frauen“, „Lesben“, „Schwulen“ gewandt. Wider dem weiblichen, lesbischen Kollektivsubjekt! Das heißt: Wieder zwei Gästinnen weniger, obwohl die in den 1970er, 1980er Jahren feministisch aktiv waren. Und wenn wir einen Sprung in der virtuellen Gästinnenliste in die 2000er Jahre machen: Auch einige Femmes werden sich nicht unbedingt als „Frau“ angesprochen und willkommen geheißen fühlen auf der „Frau mit weiblichem Pronomen“-Party. Bei Roedig aber fallen Femmes ohnehin unter den Party-Tisch.

Butches und das „Frauenraum“-Revival

Nun zu meinem Unbehagen mit Andrea Roedigs hochspektulativen Argumenten: Roedig erklärt den Leser_innen aus ihrer Sicht, aus welchen Gründen es das Frauenraum-Revival gibt: Eine Trauer- oder Kränkungsreaktion auf das Aussterben von „Butches“, die aufgrund von Transitionsprozessen der Lesbenszene verlustig gegangen sein sollen. Sie spricht hier überraschend despektierlich von Butches als „sich männlich gebärdende lesbische Frauen“. Zum Mitschreiben: Also, die Strategie ist nicht, verstärkte Bemühungen, jüngere Generationen oder begehrte Restexemplare von Butches willkommen zu heißen, also eine positive Butch-Maskulinitäts-Willkommenskultur an den Tag zu legen, sondern sich in den Schmollwinkel der „Frauenräume“ zu verziehen. Faszinierend, würde jetzt mein_e innere_r Vulkanier_in sagen.

Roedigs Party-Szenario bleibt tatsächlich faszinierend, weil so unklar: Wer verzieht sich? Aus welchem Grund? Lesbische Frauen, weil … potenzielle Partner_innen, „Schwestern“ verlustig gehen? Bisexuelle Frauen, weil … potenzielle Partner_innen, „Schwestern“ verlustig gehen? Sind Trans*Frauen/Femmes wirklich willkommen, oder nur ein Feigenblatt, bis dieses herab blättert und der Ruf nach OP-Zwang folgt? Wo sind in dem Party-Szenario diejenigen, die Trans*maskulinitäten explizit begehren und vor allem wo sind die butch-liebenden Femmes? Deren Klagen, deren erotische Trauer, das Gefühl von Verrat liegen historisch, erotisch und emotional nahe, da Butch/Femme als traditionell ein in lesbischen Nischen beheimateter Begehrenstypus war und ist. Butch/Femme versprach und bedeutete zugleich auch Bündnisse im verque(e)erenden Spannungsfeld von Gleichheit und Unterschiedlichkeit zwischen „Lesben“. Aber seltsam ist, in Roedigs Party-Szenario, noch im gesamten Beitrag fällt weder der Begriff „Femme“ oder „Butch/Femme“. Auch legt ihre obige Definition nicht nahe, Butch als Identifikation differenziert beschreiben zu können. Bereits ein Blick, alleine zu Recherchezwecken, in das deutschsprachige B/F-Forum seit 2002 hätte da weitergeholfen. Also, ich meine, Roedig selbst müsste sich nicht in den Schmollwinkel verziehen, da sie offensichtlich nicht allzu butch-affin ist.

Back into the 80s – Grenzverläufe in „FrauenLesbenräumen“

Um mal wieder einen entzaubernden Blick auf die „FrauenLesbenräume“ der 1980er und auch noch 1990er Jahre zu werfen, der jede nostalgische Weichzeichnung grell werden lässt: Lesbische, insbesondere lesbisch-feministische „Frauenräume“ waren traditionell nicht butch- und auch nicht femme-affin. Das ist kein Geheimnis. Auch Trans*frauen/Femmes blieb in den 1980er und 1990er Jahren der symbolische und reale Zutritt zu feministischen Gegenräumen massiv verwehrt. An diese Ausschlusskultur bis Ende der 1990er Jahre von einem „Zuviel“ an kultivierter Femininität und Maskulinität, das z.B. Butch/Femme verkörperte, dürfte sich Roedig und alle lebhaft erinnern, die „Frauenräume“ noch als politische und sexuelle „Leitkultur“erleben durften. Ich jedenfalls erinnere mich gut. Es war nicht nur schlimm oder schrecklich, wirklich nicht. Ich habe mich die ersten Jahre sehr wohlgefühlt in meiner radikalfeministischen Lesbenidentität und den „Frauenräumen“. Sie hatten für mich tatsächlich etwas Utopisches, etwas das Möglichkeiten im Denken und im Solidarischen eröffnet. Wohler, freier und zukunftsoffener habe ich mich gefühlt als in gegenwärtigen queer-feministischen Kontexten, die ich zum Teil als dystopisch oder überraschend retro erlebe. Aber es blieben – zumindest bei mir – neben der Feststellung, dass diese feministischen Räume dennoch keine gewaltfreien „safe spaces“ waren (zu Gewalt unter Lesben bereits 1994, Constance Ohms) auch unausgesprochene Sehnsüchte nach „Mehr“, nach „Anders“, nach „Expliziter“. Diese szeneinternen Gleichheitsnormen taten sich mit Heterogenität, ob beim Begehren, im „Schönheitshandeln“ oder allgemein in Lebensentwürfen äußerst schwer.

Es gab seit Beginn der Zweiten bzw. Neuen Frauenbewegungen ab den 1970er Jahren Distinktions-, also Grenzverläufe zwischen „politischen“ und „unpolitischen“ lesbischen Lebensentwürfen. Eine Distinktion bezog sich beispielsweise auf Butch/Femme-Konstellationen, die als „unpolitisch“ markiert wurden (– bereits im Klassiker von Ilse Kokula zur „lesbischen Subkultur“ von 1981 nachgewiesen), da sie die erotischen Gleichheits-, körperlichen Androgynitätspostulate und Schönheitsnormen der lesbisch-feministischen Szenen durchbrachen, eine deutliche Differenz durch Femininitäts- und Maskulinitätsinszenierungen herstellten. Sie griffen damit auf ein Repertoire an ästhetischen Codes zurück, das als heteropatriarchal markiert war – „in Rock und Stöckelschuhen und diese ganzen Geschichten“ – und an vermeintlich heterosexuelle Praxen erinnerte:

„Es hat sich natürlich an diesen langen Haaren jetzt auch grad‘ so in der Lesbenszene natürlich festgemacht. Ich sag mal die Sub-Lesben, die unpolitischen Lesben, die – dann eher so … naja, der männliche Part mit kurzen Haaren, der weibliche Part mit langen Haaren – fanden wir natürlich alles zum Kotzen, ganz fürchterlich, so. Und wir als radikale Lesben dann alle mit kurzen Haaren und wir machen das nicht mit.“ (Interviewpartnerin, 1963 geboren, Aussage von 2008)

Gerade vor diesem Hintergrund empfinde ich es als Form der Instrumentalisierung, die Roedig in ihrem Beitrag mit „Butches“ und deren inneren und äußeren Kämpfen betreibt. Oder anders formuliert, es ist interessant, dass auf einmal von einer Seite – der lesbisch-feministischen – das „Aussterben von Butches“ beklagt wird, die in den 1980er und 1990er Jahren ein „Zuviel“ an Butch-Maskulinität und ein „Zuviel“ an Femme-Femininität als heteropatriarchal abgewertet hat – und es noch heute tut. Das ist scheinheilig.

Lässt sich da nicht folgende These aufstellen? Das was der NS an „homosexueller Subkultur“, in der Femmes und Kesse Väter selbstverständlich waren, noch nicht ganz zerstört hatte (zur Bedeutung des schwarzen und rosa Winkel, siehe Claudia Schoppmann), das hat der bundesdeutsche lesbische Radikalfeminismus in den 1970er und 1980er Jahren nicht willkommen geheißen, sondern als unpolitisch marginalisiert.

„Der“ trans*Problem-Butch muss leider draußen bleiben

Noch einmal zurück in die Jetztzeit und zu Roedigs Szenario: Unklar bleibt, wer eingeladen- oder ausgeladen ist. Wenn nun „Frauenräume“ eine Reaktion auf das „Butchsterben“ sind, diese – ob Nachwuchs oder Restexemplare – aber nicht in verstärktem Maße willkommen geheißen werden, sollen sie nun auch draußen bleiben? Das ist unklar, denn bei genauerer Kenntnis der bedrohten „Butch-Art“ würde sich zeigen, dass es Exemplare gibt, die weibliche und welche, die männliche Pronomen bevorzugen. Es gibt „die“ Butch und „der“ Butch. Muss nun „der“ Butch draußen bleiben? Gesichert ist, sobald sie_er Testo nimmt und damit zwangsläufig zum „Transmann“ wird, muß sie_er draußen bleiben.

Denn wie der Roedig’sche Volksmund schon weiß, „Transmänner“ haben dann automatisch „behaarte Brust, Bierbauch und rüde Manieren“. Im Umkehrschluss: Von zu viel Körperbehaarung und ihrer Pflege, Körperfülle und schlechtem, gar sexistischen oder gewaltvollem Benehmen sind dagegen lesbisch-feministische, bisexuelle und Trans*Frauen bekanntlich weit entfernt und damit auch die angenehmeren und attraktiveren Partygäste. (Sind Trans*Frauen/Femmes wirklich mitgemeint?)

Mal abgesehen von der ärgerlich stereotypen Darstellung von Trans*Maskulinität/Männlichkeit und ihrem vermeintlich gleichartigen Habitus, ist alleine Roedigs homogenisierende Annahme, „Transmänner“ hätten ihre Heimat ursprünglich in Lesbenszenen, als falsch zurückzuweisen. Nein, nicht „alle Transmänner sind verlorene (lesbische) Butches“. Das ist eine schlichte Eingemeindung. Nein, Lesbenszenen müssen sich nicht narzisstisch gekränkt fühlen, dass ihnen die erotischen Möglichkeiten abhanden kommen, zumal Butches wie oben ausführlich dargelegt, nicht gerade wohlgelitten waren und noch immer nicht sind. Ein Blick in verschiedene aktuelle Lesbenforen zeigt die interne Ablehung von als „nicht lesbisch (genug)“ definierter Femininität und von „female masculinity“ (nach Judith Jack Halberstam). Das alles findet nicht nur „da draußen“ in der bösen Heterowelt statt. Da hilft bei den einen nicht, die Haare abzuschneiden oder bei den anderen sie sich länger wachsen zu lassen. Und dann treffen sich alle bei maximal kinnlang – und einem weiblichen Pronomen? „Mannweib“ kann Butch auf Lesarion oder in anderen fb-Gruppen zu lesen bekommen, oder dass Butch/Femme-Identifikationen „Schubladendenken“ seien und Femmes für „lesbischeres“ Aussehen gelobt wurden. Ganz real geschehen auf einem der „Frauen mit weiblichem Pronomen“-Stammtische.

Fehlschluss: Die gemeine Spezies „Transmann“

Unbestritten ist, dass traditionelle Trans*Narrationen, u.a. geprägt durch die Pathologisierung von Trans*menschen und durch die medizisch-rechtlichen Diskurse, denen sie als „Patient_innen“ unterworfen sind, immer wieder hinterfragt werden müssen, zum Beispiel wie die Märchenstunden „im falschen Körper geboren“ oder „schon immer Frau/Mann“ gewesen zu sein, ebenso Partner_innen und Freund_innen zu „Angehörigen“ zu degradieren – darunter auch queere_lesbische Femmes und Lesben – oder Mythen über sogenannte Geschlechtshormone zu reproduzieren (vgl. Smilla Ebeling „Wenn ich meine Hormone nehme, werde ich zum Tier“). Letzteres ist eine allgemeine und weitverbreitete Bildungslücke – und nicht transspezifisch.

Dabei sollte nicht vergessen werden: Die soziokulturellen Herkünfte von Trans*Männern/Butches, ebenso von Trans*Frauen/Femmes, ihre maskulinen oder femininen Habitus, ihre politischen Positionen – ja, feministische Haltungen müssen nicht mit einer Transition verlustig gehen -, ihre sexuellen Interessen, ihre Selbstbezeichnungen und ihre Motive für eine Transition sind ausgesprochen divers und mittlerweile auch generationell bedingt unterschiedlich. Tatsächlich haben rechtliche Rahmungen, dass heißt das TSG („Transsexuellengesetz“) bis 2010, Transitionswege und Entscheidungen in Deutschland restriktiv beeinflusst, insbesondere den Zwang zu operativen Eingriffen. Dass dies auf individueller Ebene mit vielen Abwägungen, Sorgen, Befürchtungen, Unsicherheiten, Risiken verbunden war und ist, mit Arbeitslosigkeit, sozialer Ausgrenzung – nicht nur „da draußen“, auch in Szenen und Gruppen – , und einem 16-fach erhöhten Selbstmordrisiko, davon ist bei Roedig nichts zu lesen. Trans* ist bei ihr ein queerer Modetrend, eine Form der Selbstoptimierung: Rein in die Klamotten, ein paar Hormone eingeworfen und >schwupps< zum Trend-Tier werden. Unters Messer legen sich ja heute auch viele, um der Attraktivität nachzuhelfen. Endlich zu legitimen und wertvollem Humankapital werden. Heute noch Hip(ster), morgen schon ist der Bart ab. Und „lesbische, bisexuelle, und Transfrauen“ (wirklich mitgemeint?), ebenso wie Roedig – die virtuellen Partygäste – sind dem kapitalistischen Diskurs nicht unterworfen, tun das alles bekanntlich nicht und müssen erst einmal im „Frauenraum“ … – ja, was denn eigentlich? Geschlechtliche, sexuelle und gesellschaftliche Komplexität des 21. Jahrhunderts reduzieren.

Abschließend ein paar letzte Gedanken zu Diversität und Inklusion, die Roedig eingangs als Modetrend erwähnt: In einigen sozialen Nischenbereichen des globalen Nordens stehen die Zeichen auf Genderpluralität, sexueller Diversity, Inklusion und Entpathologisierung von nicht-heterosexuellen und gar transgeschlechtlichen Menschen. Das historisch äußerst kurze Frühlingserwachen in einigen Gesellschaften dieser Welt sollte nicht vergessen machen, dass dieses zeitgleich massiv bedroht ist und allgemeine soziokulturelle Diversität noch längst nicht zum Beispiel im deutschen Mainstream angekommen ist. Wir brauchen keine traditionellen (Sub-)Kulturverständnisse geprägt von Homogenitätserwartungen nach innen und Ausgrenzeung nach Aussen. Dass dieses Modell inklusive seines Reinheitsgebotes in Deutschland und Europa aktuell fröhlich Urständ feiert, ist eine Sache, aber wir sollten aufmerksam sein, dass sich nicht ähnliche Reinheitsgebote, Projektionen des Fremden oder von „Dolchstoß-Legenden“ in neuen, alten „FrauenLeben“-Zusammenhängen als reaktionäre Reaktion auf ihre Diversifizierung zu „FLIT“ und „LGBTQI“ auftun. Queer Politics bedeuteten nicht ein Mehr an Partikularismus und „moral majorities“, sondern „unsittliche“ Bündnisse über Unterschiede hinweg zu stiften. – Mehr denn je notwendig in rechtslastigen Zeiten von Pegida und „Besorgten Bürgern“.