empowerment

Queer kinky & sexy Leben mit chronischen Erkrankungen

Im Zentrum von BDSM stehen körperliche, mentale und sexuelle, emotionale Grenzgänge. Das Eingebunden sein in Szenen bedeutet darüber hinaus, mit bestimmten Erwartungen und Wünschen konfrontiert zu sein, wie wir als bottom, switch, als Top agieren, uns präsentieren, in Kontakt gehen, uns innerhalb der Szene engagieren, uns vernetzen, und ob wir auf Playparties oder anderen Events präsent sind.

Die heißen Fantasien über Tops und Dom(me)s sind: Ungebrochen stark, dominant, sexuell fordernd, lustvoll Grenzen setzend, streng fürsorglich, körperlich und mental präsent und Verursacher_innen von genussvollem Schmerz. Die kinky Fantasien über bottoms und submissives kreisen um den Genuss von Schmerzen, das Eintauchen in Schmerz und „Schwäche“, die Lust an Restriktionen, am „Pleasen“, am Zur-Verfügung-stehen/knien.

Was aber, wenn Tops selbst Schmerzen empfinden, oft und unfreiwillig; körperlich, mental oder emotional nicht „immer stark“ sind; in bestimmten Phasen der vermehrten Fürsorge und Unterstützung bedürfen; sich nicht sexy fühlen und keine Lust auf Dominanz und Sex haben? Playevents und/oder Organisationsarbeit massiv anstrengend finden? Die Energiezeitfenster begrenzt sind? Sich für „Schwäche“ schämen?

Was aber, wenn bottoms selbst Schmerzen empfinden, oft und unfreiwillig; körperlich, mental oder emotional nicht immer in der Lage sind, „sich hinzugeben“; in bestimmten Phasen der vermehrten Fürsorge und Unterstützung bedürfen; Playevents und/oder Organisationsarbeit massiv anstrengend finden? Die Energiezeitfenster begrenzt sind? Sich nicht sexy fühlen; keine Lust auf dominiert werden und Sex haben? Und die Restriktionen des eigenen Körpers usw. einfach nur satt haben?

  • Erleben: Hat sich in Eurem Erleben als bottom/submissive oder als Top/Dom(me) etwas durch Erkrankung verändert? Gibt es hier Unterschiede, ob Ihr eher SM oder eher D/s lebt?
  • Selbstverständnis: Was bedeutet es für Dich als Top/Dom(me), für Dich als bottom/submissive erkrankt, beeinträchtigt zu sein?
  • Verhandlung: Wie verhandelt Ihr Eure Beeinträchtigung? Was bedeutet für Euch im Hinblick auf Erkrankung „ssc“?
  • Umgang: Wie geht Ihr z.B. mit Schmerzen um? Z.B. mit Erkrankungsphasen oder Anfallserkrankungen? Wie vereinbart Ihr das mit Euch und Eurem Gegenüber in Plays, in Spielbeziehungen, Poly- oder Nicht-Polybeziehungen?
  • Szene: Wie empfindest Du den Umgang innerhalb der queeren, lesbischen BDSM-Szene mit Erkankung/Beeinträchtigung? Was fehlt Dir? Was hast Du als hilfreich erlebt?
  • Unterschiede: Wie und mit wem Du lebst, mit oder ohne Erwerbsarbeit, ob mit Trans*erfahrung oder ohne, ob als *Femme oder *Butch, mit oder ohne Migrationserfahrung, jünger oder älter, mit oder ohne Kinder usw. – all dies hat unterschiedlichen Einfluss auf ein Leben mit chronischer Erkrankungen.
  • Empowerment durch BDSM: Was stärkt Dich an BDSM, an Deinem kinky Leben & Sexualität?

All diejenigen sind willkommen, die sich angesprochen fühlen, hier ins Gespräch zu kommen. Wem das zu wenig geschützt ist, kann mir gerne eine PM senden.

Zu mir: Keleb, mittelalter T*Butch, Daddy-Dom, mit Autoimmunerkrankungen inkl. chronischer Schmerzen. Butch/Femme-D/s-Erotik und Sex ist das, was für mich Genuss bedeutet und mich erinnert, dass ich viel mehr bin als die Summe meiner zum Teil angeschlagenen Einzelteile – neben Soul der 1960er und 1970er Jahre, gutem Essen und etwas Zen.

Zum Weiterlesen: XanWest, chronisch erkrankter Top

Ein langer, aber sehr spannender Beitrag von Johanna Hedva: „Sick Women Theory“, wobei sie „Women“ nicht essentiell als „weiblich“ versteht … wie gesagt, sehr interessant, zu lesen.

 

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Ein paar Gedanken zu Stoneness … von einem StoneButch

Stoneness, StoneButch, StoneFemme … fast schon mythologische Begriffe …
Stone-Sexualität wird – wenn nicht als vergleichbar stereotyp wie z.B. Femme/Butch  – als etwas sich Widersprechendes wahrgenommen und fehlgedeutet. Das liegt sicherlich auch an der Metapher „Stein“. Während Sex innere Bilder von Nähe, Grenzauflösung, heiß usw. hervorruft, klingt „Stone“ nach hart, begrenzt, kalt, im Zweifelsfall schmerzhaft, wenn mensch von einem solchen getroffen wird. Und überhaupt, wer müssen erst diese Butches und Femmes sein, die diese seltsame Leidenschaft miteinander teilen? Ganz sicher klingt das alles erst einmal nicht sehr sexy und schon gar nicht nach sehr, sehr heiß und kreativ.
XanWest listet ein paar (Miß-)Verständnisse auf (Link siehe unten), die kursieren:

Stoneness würde bedeuteten,

  1. einen emotionalen Panzer, eine Rüstung zu tragen;
  2. in Bezug auf körperliche Berührungen Grenzen zu haben;
  3. Erfahrungen mit gewaltvollen körperlichen Berührungen zu haben;
  4. Aus deutschprachigen Femme/Butch-Diskussionen um StoneButch möchte ich die vage Formulierung „Nicht als ‚Frau‘ berührt werden zu wollen“ ergänzen;
  5. als Butch sich am Ende eines Maskulinitätsspektrums zu bewegen bezogen auf das was Maskulinität in westlichen Kulturen bedeutet;
  6. als Butch sexuell zu toppen;
  7. eine sexuelle Vorliebe, bei der der Genuss in der anderen Person angesiedelt ist und über diese und ihr sexuelles Erleben vermittelt erlebt wird.

Und hier gebe ich mal meinen old-school-Senf dazu:
Vorausgeschickt meine ich, in den (Miss-)Verständnissen liegen auch einige Körnchen  „Wahrheiten“, ob aus der Sicht der eigenen Butch- oder Femme-Biographie, der Entwicklung eigener Selbstverständnisse, aber auch historisch, also das was Femmes und Butches zu verschiedenen Zeiten an guten und sehr unguten Erfahrungen mit ihrem So-Sein gemacht haben.  Aber Diskussionen – wie die von XanWest angestoßen – zeigen, dass es Sinn macht, Stoneness/StoneButch/StoneFemme zu entstauben und in neuem, sexy Glanz zu sehen.

Gerade die ersten vier (Miß-) Verständnisse fand ich für mein Selbstverständnis schwierig anzunehmen, obwohl es da einige dicke Körner Wahrheit in meinem Leben gibt, über die ich sicherlich nicht glücklich bin. Nur finde ich die nicht förderlich dafür, sexuellen Genuss zu erweitern. Vor allem stört es mich, dass es bedeutet, dass ich mich und meine Sexualität, meine Nähefähigkeit negativ über Defizite und Limitierung definieren soll.
Ja, klar – Erfahrungen von sexualisierter Gewalt wirken sich auf die Fähigkeit zu körperlicher Nähe, Sexualität oder auch emotionaler Nähe aus – ob als Geben oder Nehmen verstanden, als Fähigkeit, sich einlassen zu können. Damit findet sich in diesem (Miß-)Verständnis von Stoneness ein Platz und ein Ausdruck für diese beschissenen Gewaltfolgen. Positiv kann ich daran auch finden, dass meinem Eindruck nach in Butch-Diskussionen sexualisierte Gewalt sonst keinen Raum hat, oder sogar tabuisiert wird. Vermutlich weil a) sie „femininisiert“, b) Schwäche impliziert und das kollidiert mit Maskulinität. Das wären vergleichbare Verdrängungsmotive wie bei „Männern“. Auch macht dieses Verständnis von Stoneness als nähebegrenzt noch einmal darauf aufmerksam, dass schlicht und noch immer mehr Menschen, die als weiblich kategorisiert werden, von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, wenn zwei weiblich kategorisierte Menschen aufeinander treffen, Nähe und Sex mit einander teilen, dass mindestens eine, wenn nicht beide entsprechende Erfahrungen und einen entsprechenden Umgang zum Beispiel mit sogenannten „automatischen Abwehrreaktionen“  hineinbringen – ob das sich um Femme oder Butch handelt.

Stichwort „emotionaler Panzer“: Warum ich aber Schwierigkeiten mit einer solchen Stoneness-Identität habe, weil damit meine Butch-Identität und Sexualität zu einer des „Überlebens“ stilisiert wird. Das will ich nicht, mich über „Überleben“ definieren“. Hei, wo ist das gute&geile Leben? Klar, kann ich dieses fette, häßliche und schmerzhafte Korn Wahrheit nicht leugnen. Das gute&geile& auch mal leichtere (Er-)Leben und Femmes so zu begegnen ist für mich immer wieder harte Arbeit. Auch meine ich nicht, dass Stoneness wegtherapiert, weggeheilt werden muss (- die Frage auch: WOHIN wegheilt? Dass ich dann keine Lust mehr auf Strap-ons habe oder Femme nicht mehr, wenn sie „geheilt“ ist?). Hinweise auf „Heilung“ werden bei XanWest zum Beispiel vehement abgelehnt. Ich meine, so vehement muss ich „Heilung“ nicht ablehnen. Warum kann ein anderes Verständnis von Stoneness nicht bedeuten, GLEICHZEITIG Grenzen (also „Panzer“ vielleicht aufgrund von „Narben“ und „Wunden“) und dennoch einen entspannteren Umgang mit dem eigenen Körper, den Emotionen und denen anderer zu haben oder entwicklen zu wollen? Dann kann die Limitierung von körperlicher/sexueller Berührung als eine Form lustvoller und „selbstgewählter“ restraints wahrgenommen werden. Besser Grenzen haben zu wollen und setzen zu können, als sie des Überlebens und der Kontrolle und Sicherstellung dessen haben zu müssen.

Das Argument „nicht auf weibliche Art und Weise berührt werden wollen“ wird bei XanWest nicht genannt, aber ich will es noch mal aufnehmen und dagegen halten:

Nicht als „Frau“ berührt werden zu wollen wird mit Penetration gleichgesetzt. Penetration als sexuelle Praxis. Darunter wird in der Regel vaginale Penetration verstanden.  Anale Penetration oder andere „Penetrationspraxen“ von Mund, Haut werden damit nicht mitgedacht. „Penetration“ wird statt dessen weiblich gegendert. Das heißt, mit diesem Argument findet genau das statt, wogegen sich sonst abgegrenzt wird: Es ist ein doing-gender-Argument. Und zugleich bringt es Gender („Weibliches“) erst mit Sexualität (bzw. eine bestimmte sexuellen Handlung) zusammen, in dem  unterstellt wird, es gäbe eine „weibliche“ oder „männliche“ Sexualität. Ja klar, es gibt kulturelle, gegenderte sexy Inszenierungen von sexuellen Praxen/Handlungen, also sexuelle Handlungen gegendert zu „feiern“. Aber reicht es nicht für StoneButch aus – so ganz schlicht ohne gender-schnick-schnack -, festzustellen und zu sagen: Danke nein, ich stehe nicht auf vaginale Penetration ( – und meine Brust kann so oder nicht so berührt werden). Aber ich liebe es sehr und macht mich an, wenn mein Femme-Gegenüber drauf steht!“ Müssen ja nicht alle die selbe Eissorte wollen und mögen, oder?!

Weiterer StoneButch-Senf zu den anderen spannenden Punkten folgt…

(Einige meiner Überlegungen sind durch XanWests StoneBlog inspiriert und einem Text von Robin Maltz zu „Real Butch…“ (1998) – und wie immer durch gute Gespräche! Danke für passionierte Herzen und Hirne!
XanWest bietet Workshops zum Thema Stone-Sexualität an und im ersten Teil seiner BlogSerie geht er auf das allgemeine Verständnis oder auch Unverständnis in queeren und lesbischen Communities ein, was das Oxymoron Stoneness hervorruft.)

Eine Sammlung der schönsten Empowerment-Statements (I)

Auf dem Blog zu „Persistence. All Ways Butch and Femme“ (Sherman/Coyote) gibt es viele Interviews mit Femmes und Butches zu lesen. Eine der Fragen, die an die Interviewten gestellt wurde, war:

„Wenn Du den künftigen Femmes und Butches etwas sagen könntest, was würde das sein? Was hättest Du selbst gerne gewusst als junger Butch, als junge Femme?“

Weil viele von diesen Statements so bestärkend, klug und empowernd sind, wollen wir hier gerne eine Sammlung der in unseren Augen schönen und tragenden Messages an die queeren Maskulinitäten und Femininitäten von heute und morgen zusammentragen.

Mitmachen erwünscht: Eure Ergänzungen, eigene Flaschenpost oder Postings Eurer liebsten Empowerment-Gedanken sind per Mail (butchblog[ät]gmx[punkt]de) oder im Kommentarbereich höchst willkommen.


 

„Find out who you are, then do it on purpose“

Learn to take up space. Don’t let anyone tell you to put something on, take something off, take something back, tone it down, or go home. It is okay not to fit in. Do it your own way. Be kind. Be strong. Treat others with respect. Hold your head up.

Be willing to make the first move. Take a chance. Don’t make assumptions. Unravel each other’s hurts. Bear witness. Heal. Repeat. Celebrate every possible joyous thing. Remember who you are.

Allow yourself to make mistakes. We all have disasters. An outfit. A date. The morning after. Take a tumble. Get up again. See the marks you make. Learn how to apologize.

You will be told No. Learn to be okay with this and move on. Yes, will be the answer that will matter the most.

Be open. Don’t gossip. Have courage. Show up. Desire is a good thing. Don’t be afraid to dazzle. Nothing is ever too much. Never stop wanting. — Debra Anderson (2011)


 

 

Love yourself, now.

Love yourself, now. In the body you are. The alternative doesn’t make much sense, when you think about it. Give yourself permission to be who you are; do the work to be who you want to be. Love is the best gift we have. And we have a lot of it. We never run out. Share it widely, but for pete’s sake, begin with yourself. Be generous, and forgiving, and your life will be much happier for it.Michael V. Smith (2011)


 

 

Butch is hot.

Butch Lab Symposium zum Thema „Butch-Stereotypen, Klischees und falsche Vorstellungen“. Es gab verschiedene Antworten auf die Fragen:

„Was denken Menschen, was ‚Butch‘ bedeutet? Was sind die Stereotypen zum Butch-Sein? Was nehmen Menschen als ‚Wahrheit‘ über Dich bzw. über andere masculine-of-centre-Freund_innen an, welche jedoch nicht zutrifft? Was fühlst bei diesen Fehlannahmen und Zuschreibungen? Welches Bild oder Konzept musst Du permanent korrigieren oder dagegen kämpfen? Wie gehst Du damit um? Antwortest Du auf diese Stereotype oder Klischees? Wie?“

Zum Vorurteil, zu Abwertungen: „Butch ist ein dreckiges Wort … manchmal auch weniger als das, manchmal zu ungewöhnlich und „anders“, um akzeptabel zu sein. Butch wird als „In-beetween“, als „Dazwischen“ behandelt, als undefinierbar, und deshalb als unbekanntes Wesen oder Gebilde. Unsere Friseur_innen versuchen, Butch einen softeren, weicheren Haarschnitt zu verpassen, während wir versuchen zu erklären, dass Butch sich als Butch identifiziert und erwartetet, auszusehen wie Butch. Die Friseur_innen lachen dann und werden ein wenig rot, aber beginnen mit einem richtigen Schnitt.

Die Antwort und die Wahrheit: 

Butch is hot. Butch is cocky and shy and gorgeous and loving. Butch is an identity one can be proud of.

… Fortsetzungen folgen …