„Stone Butch Blues“ – eine unromantische Geschichte in 10 Bildern

20140906_130846_Richtone(HDR)

Träume in den erwachenden Morgen – unser Zuhause

07_Highfemme-Frühstück

Katzenfrühstück

12_mein Arbeitsplatz

Mein Arbeitsplatz

05_Wer hier eintritt, auf den regnen keine Goldtaler

Wer hier eintritt, auf den regnen keine Goldtaler

11_StoneButchDreams

StoneButch Dreams

03_Barkultur_a

glamouröse Barkultur

06_fliegender Teppich in eine andere Welt

Fliegender Teppich in eine andere, virtuelle Welt

02_Stammtischkultur_heute

unser Butch/Femme-Stammtisch

17_Endstation Sehnsucht

Dein Arbeitsplatz

20140831_190414

Endstation Sehnsucht

Eine lakonische Fotoreihe aus Bremerhaven in Hafennähe von heute (Danke an Labyrinthus fürs Begleiten). Das Quartier hatte in den 1950er und 1960er Jahren seine große Zeit – mit einer riesigen Dichte an Kneipen, Bars, Jazzclubs, und dem Aladin-Kino mit seinem besonders geschwungenen Eingang. Einige Bars, die hier vor allem von schwulen* Männern betrieben wurden, sahen weit weniger heruntergekommen aus als heute. Lesben* waren bzw. sind durchaus Teil der Gäste, zum Beispiel heute im „Dreams“. Dennoch war das alles nicht schön oder glamourös – wie gegenwärtige nostalgische 50’s-Cupcake-oder Rockabilly-Fantasien nahelegen. Es war eher wie St. Pauli bis Ende der 1960er Jahre oder die Barszene in „Stone Butch Blues“. Die „homosexuelle Barkultur“ bis Ende der 1980er Jahre hatte verschlossene Türen, kleine Sichtfenstern, Türkontrollen, Jukeboxes, mal mehr, mal weniger roten Plüsch und war im „Rotlichtmilieu“ angesiedelt. Wer in die Bar wollte, musste klingeln, der_die Inhaber_in öffnete ein kleines Fenster und schaute, wer draußen war, um dann persönlich die Tür zu öffenen. Alle wurden per Handschlag begrüßt. Das waren Sicherheitsmaßnahmen aufgrund der langen Kriminalisierungsgeschichte von queeren* Menschen. Als ich in dieser Zeit im Rickmersstraßenrevier immer wieder mal unterwegs war, erfuhr ich von Freund_innen zum Beispiel, dass ein Schwuler* aus Homophobie in einer Seitenstraße erschlagen wurde, und von Lesben*, die als Zuhälter_innen arbeiteten. Auch gab um 1990 Morde an Sexarbeiter_innen. Sie wurden hier hinter einem Supermarkt getötet in den Container geworfen. Neben dem „Babylon“, das früher „Why not“ hieß,  gab es eine Bar, die hieß „La Femme“ und von Lesben* betrieben wurde. Ein paar Monate später übernahmen Zuhälter sie „feindlich“, so dass in den Hinterzimmern Sexarbeit stattfand.

Vor diesem Hintergrund konnte und kann ich die Romantisierung von „Stone Butch Blues“ nicht verstehen, der ich immer wieder begegne. Als ich das Buch las – mehr als dreimal habe ich es bislang nicht geschafft – , konnte ich vor allem die alltägliche (sexualisierte) Gewalt, das Überleben und Ausgeliefertsein in ein paar Quadratkilometern Straßenrevier, die Wut über die Perspektivlosigkeit und die Angst, die im Nacken sitzt, und die Trostlosigkeit des „Leben am Randes“ schmecken. Fühlen konnte ich die überlebensnotwendige Bedeutung eines Mikrokosmos von Freund_inschaften, Liebesbeziehungen, die zarten Augenblicke, das Innehalten, die kleinen liebevollen und gleichzeitig unterstützenden Gesten, die sinnlichen und auch verstehenden Blicke – Momente, wie das zeitentrückte Innenleben in einem Kokon. Auch ich habe mal für jemanden, die vergewaltigt wurde, Kakao gekocht und das Badewasser eingelassen – ich empfinde und sehe diese Erinnerung nur als „zarter Schaum“, „warmes Wasser“, „dunkel, heiß, süß“ und „schweigen“. Dafür und für den „StoneButch/Femme-Blues“ gibt es nur Bilder, keine Worte.

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s