Worüber ich spreche, wenn ich über Butch spreche

Die Idee Butch hat aktuell nicht gerade Hochkonjunktur im queeren Mainstream. Doch da ist eine Glut, die in alle Himmelsrichtungen verstreut vor sich hinglimmt, und sich anfachen lässt und das Potenzial hat, ein ganzes Land unter Feuer zu setzen, wenn die Winde nur günstig stehen.

Ich werde hier eine Annäherung daran versuchen, was meiner Auffassung nach Butch gegenüber Identitäten wie Transmännern oder maskulinen Lesben auszeichnen könnte, und welche Spezifika dieser Identität zugehören, die Butch einzigartig macht unter allen maskulinen Identitäten.

Butch verbindet Begehren und Identität.

Das zeichnet Butch gegenüber Lesbischsein, das sich derzeit ausschließlich über Begehren definiert (auch das war mal anders!), und gegenüber Transmännlichkeiten aus, die sich ausschließlich durch ihre Geschlechtsidentität definieren.
Butch stellt eine einzigartige Verbindung von sex und gender her, weil Begehren und Identität in einem Zusammenhang verhandelt werden. Damit befindet eine Butch-Identität sich am Schnittpunkt dreier möglicher Identifikationen, Traditionen und Begehrensformen. Das heißt, dass eine Annäherung an Butch notwendig die Auseinandersetzung mit Lesben, Trans* und Genderqueerness beinhalten muss. Zu diesen steht Butch jeweils in unterschiedlichen Verhältnissen, und jede individuelle Butch-Identität bedeutet zusätzlich auch eine individuelle Nuancierung dieser Aspekte.

Butch ist sichtbar queer.

Anders als heterosexuelle Transmänner, die nach außen schlichtweg als heterosexuell und weiter nichts gelesen werden, integriert Butch feminine und maskuline körperliche Attribute imAuftreten. Neben den Ausschlusserfahrungen, die eine mal so, mal so wahrgenommene Geschlechtsidentität bedeutet, kann sichtbare Queerness auch ein mit stolz kultiviertes Alleinstellungsmerkmal sein und werden, das der heterosexuellen Matrix eine unaustilgbare Störung zufügt:

A whole lot of my identity is staked in being gay — being queer — and being read by other people as gay or queer. And I like that, even if it’s becoming an oxymoron. I like being other and different and a little bit weird. I like talking about it. I like getting reactions about it. I like being new and strange and maybe a bit titillating or scary or fascinating to the people I meet (assuming, of course, that doesn’t inspire them to try to kick my teeth down my throat). Breakitdownbutch

Butch ist historisch anschlussfähig.

Die Geschichte homosexueller Subkulturen und ihrer queeren Kultivierung von Identitäten jenseits angepasster Heterosexualität ist lang. Butch nimmt diesen roten Faden der Geschichte auf und begreift das eigene Gender als etwas auch historisch Gewordenes.

Butch bedeutet Fürsorge.

Menschen, die zu einer Zeit rechtlich und/oder medizinisch transitionieren, sind auf eine interessante Weise gleich alt. Die Zählung beginnt noch einmal bei Null, dem Jahre T. Fortan sind alle Kinder eines T-Jahrgangs zugleich in der Pubertät. Die Gruppe aller Trans* besteht ziemlich genau aus jenen, die in ihrem Transitionsprozess stecken, sei es mental oder körperlich, und jenen, die ihre Transition erfolgreich überstanden haben.
Butch hingegen ist lebenslange Auseinandersetzung, Wachsen und Ringen um und an der eigenen Geschlechtlichkeit. Das Thema bleibt präsent, und die Lösungen einer jungen Butch-Person mögen sehr anders sein als die Ideen, wenn sie älter geworden ist. Es gibt nicht nur einen Austausch innerhalb, sondern zwischen den verschiedenen Generationen.

Dieser Blog dient dem Versuch, diesen ersten möglichen gedanklichen Pfade weiter zu folgen, und zu schauen, welche Merkmale Butch wirklich ausmachen, diese altgediente Identität neu zu erproben, und herauszufinden, welche Anzüge im 21. Jahrhundert noch passen.
So jung und zaghaft die neueren Unternehmungen, Butch zu leben sind, ist viel Spannendes zu erwarten auf dieser Reise. Wir fragen nicht, wohin man käme, wenn man denn ginge. Wir schauen, wo wir da hinkommen.

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